Ganz in schwarz? Was macht die Gothic Kultur aus?
Die Sehnsucht nach Dunkelheit
Es gibt hunderte von ihnen: Jugend- Bewegungen, die schockieren, provozieren und in jedem Fall dem Mainstream der Gesellschaft trotzen wollen. Punks färben sich die Haare und hängen mit Bierflaschen an Bahnhöfen rum, Hip Hopper “gangstern” mit halb herunter gelassenen Hosen und dicken Protz- Goldkettchen durch die Stadt und düstere Gestalten mit weiß geschminkten Gesichtern und ganz in schwarz gehüllt machen sowohl Kindern als auch Erwachsenen Angst- die Gothics. Doch was ist dran an dem Hype um die Sehnsucht nach Dunkelheit? Welche Gedanken gehen in einem Anhänger der “schwarzen Kultur” vor? Und was sagt all das über unsere Gesellschaft aus?
- Geschichte der Gothic Kultur
Entstanden ist die Subkultur der Gothics Anfang der 1980er Jahre aus der Punk- und New Wave-Bewegung. Anhänger der Gothics zu sein bedeutet, untrennbar mit der Schwarzen Szene und ihrer Philosophie vereint zu sein. Der Begriff “gothic” stammt aus dem Englischen und steht für “düster und unheilvoll”- sehr zutreffend auf die Erscheinung dieser düsteren Gestalten, finden wohl die meisten. Die automatische Verbindung der Gothics mit der Farbe schwarz war schon immer da und ist auch leicht erklärbar. Schwarz, die Farbe der Dunkelheit, des Nichts, des Todes. Die Philosophie der Schwarzen Szene besagt, dass der Tod als fester Bestandteil des Lebens akzeptiert und respektiert werden muss. Gothics fühlen eine tiefe Verbundenheit mit allem Vergänglichen und Sterblichem. Nicht umsonst ist einer ihrer liebsten Aufenthaltsorte der Friedhof.
- Oft ist mehr Klischee dabei..
Oft wird der schwarzen Subkultur unrecht getan. Obgleich sie natürlich provozieren und sich abgrenzen wollen- die Gothics sind zum größten Teil sehr friedliche Menschen, die sich in einer grusligen Maske und schwarzen Kutte verstecken und damit die große Nachdenklichkeit und Trauer in sich nach außen tragen wollen. Dass die Normalos dadurch geschockt sind und Unverständnis zeigen, kann ihnen niemand verdenken. “Leben und leben lassen” ist der Leitsatz unserer Gesellschaft, an den es sich zu halten angesichts eines weißgeschminkten, in schwarz gehüllten Riesen in der Fußgängerzone oft schwer fällt. Wir sind schockiert und fühlen uns in der Gegenwart der Gothics unwohl- geben wir ihnen damit das, was sie wollen?
Betrachtet man den Hintergrund der schwarzen Subkultur, so fällt auf, dass die Farbe schwarz auch in der Mode nie rein negativ belegt ist. Das “kleine Schwarze” ist seit 1926 dank Coco Chanel aus keinem Kleiderschrank wegzudenken und -mal ehrlich- in welchem Kleidungsstück ist ein Mann besser gekleidet als im klassischen Black Suit? Bei keiner Gala würde einer Dame im schwarzen Kleid unterstellen, sie hätte Todessehnsucht. Gothics stehen dazu, sich nach ihrer eigenen Vergänglichkeit zu sehnen- und tragen das im schwarzen Kleid nach außen. Doch was nur die wenigsten wissen- sie wollen anders sein und nicht zu uns dazugehören- aber sie wollen uns keinesfalls etwas böses. Wir ihnen? Auch nicht. “Leben und leben lassen”.